Text und Bilder der Seiten Kunstflug wurden mit freundlicher Genehmigung von Loys Nachtmann für meine Seiten freigegeben. Herzlichen Dank an Loys Nachtmann.
Früher musste ich viel Zeit investieren, bis ein neues Kunstflugmodell exakt durchs Wendefigurenprogramm flog. Irgendwann riss mir der Faden der Geduld, und ich suchte nach neuen Möglichkeiten, einen F3A- oder F3A-X-Flieger schnell und kompromisslos für den Kunstflug zu trimmen. Die hier veröffentlichten Tipps & Tricks habe ich über viele Jahre hinweg in der Praxis erprobt und verbessert.
Jeder Kunstflugpilot braucht ein Flugmodell mit ausgewogenen Flugeigenschaften. Obwohl die Kunstflugmaschine beim Bau genau ausgerichtet und vermessen wurde, quält sie sich durchs Wendefigurenprogramm: Entweder bricht sie beim Looping nach links oder rechts aus, kann im Messerflug kaum mit Quer- und Seitenruder gehalten werden oder dreht beim Trudeln eine viertel oder halbe Umdrehung nach. Im Rückenflug benötigt der Vogel zu viel Tiefenruder, vom exakten Einrasten bei Vierpunktrollen kann nicht die Rede sein.
Entwickelt ein Kunstflugmodell so viel perverses Eigenleben, taugt es nicht fürs Wendefigurenprogramm. Werden jedoch Schwerpunkt, Motorsturz, EWD, die V-Form des Flügels und ein paar andere Parameter richtig eingestellt, dann fliegt sogar eine solche Krücke recht gut durch alle Kunstflugfiguren. Allerdings müssen folgende Voraussetzungen unbedingt erfüllt sein:
- Das Kunstflugmodell muss sehr leicht gebaut sein: Ein F3A-Modell mit etwa 2 Meter Spannweite darf zwischen 3,5 und 4,3 kg auf die Waage bringen, ein F3A-X-Modell mit etwa 2,4 Meter Spannweite und einem 60-ccm-Einzylinder-Motor muss unter 9 kg wiegen.
- Flügel, Höhenleitwerk und Rumpf dürfen weder verzogen noch verwunden sein.
- Flügel, Höhen- und Seitenleitwerk müssen genau ausgerichtet sein.
- Die Ruderblätter dürfen nicht verwunden sein und müssen eine gerade Endkante haben.
- Ruderblätter und Servos müssen starr, also ohne Spiel miteinander verbunden sein.
- Die Servos müssen die auftretenden Ruderkräfte verkraften, der Stellfehler muss unter einem Prozent liegen.
Schwerpunkt
Bis jetzt ist der
Schwerpunkt nur grob ermittelt und zwar nach dem Motto: Das Modell bei
etwa 30 Prozent der Flügelmittellinie aufhängen; zeigt die Schnauze ein
wenig nach unten, dann stimmt der Schwerpunkt schon irgendwie. Selbst
ein sauber gebautes Modell, dessen Schwerpunkt so grob eingestellt ist,
kann seine Kunstflugfähigkeiten wohl kaum entfalten.
Deshalb
muss die exakte Schwerpunktlage erflogen werden. Geben Sie etwa 50 bis
75 Prozent Gas und rollen Sie das Modell auf den Kopf. Fliegt der Vogel
mit nur viel Tiefenruder geradeaus, dann ist der Flieger kopflastig und
benötigt mehr Gewicht im Schwanz. Entweder entfernen Sie Trimmblei aus
der Schnauze oder verschieben den Akku nach hinten. Doch Vorsicht, das
Stromkabel für die Empfangsanlage darf nicht zu lang werden: Vor allem
bei Benzinmotoren mit Zündanlage wirkt sich eine lange Stromzuführung
oft negativ auf die Reichweite der Fernsteuerung aus. Es spielt dabei
keine Rolle, ob es sich um eine FM- oder PCM-Anlage handelt.
Es
kann jedoch auch eine andere Situation eintreten: Mit neutralem
Höhenruder fliegt das Modell auf dem Kopf und steigt nach oben weg.
Jetzt ist die Kunstflugmaschine geringfügig schwanzlastig und benötigt
Blei in der Nase.
Richtig ist der Schwerpunkt eingestellt, wenn das Modell mit neutralem Höhenruder oder ganz wenig Tiefenruder geradeaus fliegt.
Bevor Sie ein Kunstflugmodell für den Aerobatic-Einsatz optimieren,
müssen mehrere Parameter bereits voreingestellt sein: Schwerpunkt,
Motorsturz, Motorseitenzug, EWD (Einstellwinkeldifferenz) sowie die
Größe der Ruderausschläge müssen annähernd stimmen. Da jeder
Kunstflugpilot hier seine eigenen Vorlieben hat, möchte ich ein paar
Anhaltspunkte geben, die Sie einfach auf Flugzeug übertragen können.
Zwei Faustregeln
Bei
einem Kunstflugmodell ist der Flügel im Horizontalflug zwischen 0,5 und
1,5 Grad gegen die anströmende Luft angestellt. Je höher das
Modellgewicht, desto größer muss der Einstellwinkel sein. Mitteldecker
kommen mit einem geringeren Einstellwinkel des Flügels aus: 0 bis 0,5
Grad reichen bei leicht gebauten Modellen völlig.
Die
Profilsehne des Höhenruders verläuft bei fast allen Kunstflugmodellen
parallel zur Rumpfmittellinie, das heißt Null Grad Einstellwinkel. Zum
Ausmessen des bzw. der Einstellwinkeldifferenz benötigt man eine
EWD-Waage, die eine Auflösung von einem viertel Grad haben sollte.
Motor: Seitenzug und Sturz
Auch
der Seitenzug und Sturz des Motors spielen beim Kunstflug eine wichtige
Rolle. Hier haben sich einige Werte herauskristallisiert, die man auf
die meisten Kunstflugmodelle direkt übertragen kann: Wird der Motor zum
Beispiel mit einem Seitenzug von 1,5 bis 2 Grad und einem Sturz
zwischen 1 und 1,5 Grad eingebaut, dann hat man schon recht gute
Ausgangswerte, der Rest muss erflogen werden.
Eine Ausnahme
bilden jedoch Kunstflugdoppeldecker wie zum Beispiel der Ultimate. Hier
sieht die Nasenleiste des Höhenleitwerks im Horizontalflug etwa 1,5
Grad nach oben, und die beiden Flügel sind nicht gegen die anströmende
Luft angestellt. Das heißt, die Profilsehne der Tragfläche verläuft
parallel zur Rumpfmittellinie (Einstellwinkel = 0 Grad). Auch der Sturz
und Seitenzug des Motors sehen bei einem Doppeldecker anders aus als
bei einem Tief- oder Mitteldecker. Sowohl bei meinem Goldberg-Ultimate
(Spannweite 1,4 Meter) als auch bei meinem Voll-GFK/CFK-Ultimate
(Spannweite 2 Meter) schaut der Motor um 1,5 Grad nach rechts in
Flugrichtung (Seitenzug) und um 1,5 Grad nach oben (negativer
Motorsturz!). Doppeldecker sind eben Kunstfluggeräte der besonderen
Art, denn hier gilt das Motto: Ein Doppeldecker muss krumm eingestellt
sein, damit er gerade aus fliegt.
Sender: Steuerknüppel und Trimmhebel
Am
Sender werden die Steuerknüppel und alle Trimmhebel in die
Neutralstellung gebracht. Die Drehkreuze bzw. Steuerscheiben werden so
auf die Abtriebsachse gesteckt, dass Servos und Ruder nach beiden
Seiten hin uneingeschränkt in die Extremstellung laufen können. Weder
die Drehkreuze auf den Servos noch die Rudergestänge dürfen gegen
irgendein Hindernis laufen. Befinden sich die Servos in der
Neutralstellung, dann muss die Länge der Rudergestänge so eingestellt
werden, dass sich die Ruderblätter von Quer-, Höhen- und Seitenruder
ebenfalls in der Nullposition befinden.
Dann werden alle Ruder
nacheinander in die beiden Extrempositionen gefahren. Der Ausschlag
nach beiden Seiten soll für den Anfang gleich groß, also symmetrisch
sein. Sollte sich beim Einfliegen herausstellen, dass das Flugzeug mit
differenziert angesteuerten Querrudern besser durch die Figuren zieht
oder beim gedrückten Looping einen erhöhten Tiefenruderausschlag
benötigt, dann nehmen wir später bei der Feinabstimmung entsprechende
Maßnahmen vor.
Wichtig ist: Der maximale Ruderausschlag muss dem
maximalen Stellweg der Servos entsprechen. Das heißt, eine
elektronische Wegbegrenzung mit der Dual-Rate-Funktion hat beim
Einfliegen und Austrimmen eines Kunstflugzeuges nichts zu suchen. Hat
man einen Computersender, dann erweisen sich 20 bis 40 Prozent separat
zuschaltbarer Exponentialanteil auf Quer- und Höhenruder oft als
nützlich: Beim Erstflug eines neuen Modells ist meist die Ruderwirkung
unbekannt. Durch gezieltes Zuschalten der Exponentialfunktion auf
giftig reagierende Ruder kann man das Flugmodell beim Erstflug
lammfromm machen und ohne Probleme landen.
Gerissene Figuren: Starke und schnelle Servos müssen rein
Aus
Sicherheitsgründen wird bei Kunstflugmodellen jedes Höhenruderblatt mit
einem eigenen Servo angelenkt. Selbst sogenannte Profiservos haben
wegen Fertigungstoleranzen verschiedene Stellzeiten. Bei vollem
Ruderausschlag erreichen deshalb nicht beide Höhenruder gleichzeitig
den gewünschten Ruderausschlag. Besonders bei den sogenannten
Snap-Figuren machen sich Höhenruderservos mit verschiedenen Stellzeiten
unangenehm bemerkbar: Statt einer gestoßenen Rolle entsteht eine
Fassrolle oder der Flieger bricht unkontrolliert aus.
Reißt die
Strömung bei gerissenen Figuren nicht ab, dann reagiert meist das
Seitenruderservo wegen zu hoher Ruderkräfte viel zu träge. Diesem
Problem rücken Sie so zu Leibe: Koppeln Sie einfach zwei oder drei
C4451-Servos mit Kohlestangen parallel. Über zwei Fesselfluglitzen
lenken Sie dann das Seitenruderblatt an.
Schwerpunkt: Excel-Spreadsheet zum Download
Bevor
ein Kunstflugmodell zum ersten Mal in die Luft geht, muss natürlich der
Schwerpunkt grob eingestellt werden. Bei Bausatzmodellen stellt man
zunächst den im Plan eingezeichneten Schwerpunkt ein. Bei
Eigenkonstruktionen oder gekauften Modellen muss man den Schwerpunkt
selbst ermitteln. Damit Sie für jedes x-beliebige Flugmodell den
Schwerpunkt genau ermitteln können, steht im Download-Bereich meiner
Homepage ein Excel-Spreadsheet bereit.
Bei Doppeldeckern ist die
Ermittlung des Schwerpunkts eine äußerst komplizierte Sache. Bisher
habe ich drei ganz verschieden Ultimate geflogen, die alle jedoch eines
gemeinsam haben: Der erflogene Schwerpunkt liegt exakt an der gleichen
Stelle, nämlich am hinteren Pylonträger. Nicht nur meine kleine
Goldberg-Ultimate (Spannweite 1,4 Meter) sondern auch der von Peter
Erang konstruierte Ultimate in Styro/Balsabauweise (Spannweite 1,8
Meter, Bauplan: Neckar-Verlag) und mein 2-Meter-Voll-GFK-Ultimate
gingen problemlos mit einem so eingestellten Schwerpunkt zum ersten Mal
in die Luft. Beim Doppeldecker kann man die exakte Lage des
Schwerpunktes eigentlich nur erfliegen. Wie das funktioniert, zeige ich
später.
Ausbalancieren: Nichts darf kippen
Ein
weiterer wichtiger Punkt vor dem Erstflug ist das Ausbalancieren des
Flugzeugs. Hierzu wird das Schwanzende des Modell zum Beispiel auf ein
Sperrholzbrett gelegt, das in einem Schraubstock eingespannt ist. Dann
hebt man den Flieger am Spinner soweit hoch, dass die Rumpfmittellinie
etwa waagrecht verläuft. Kippt das Modell nach einer Seite weg, dann
muss im Randbogen des Flügels, der nach oben weist, soviel Blei
angebracht werden, bis der Kunstflieger um die Längsachse die Balance
hält. Selbstklebende Bleigewichte, die zum Auswuchten von Autoreifen
verwendet werden, eignen sich hierfür vorzüglich.
Erster Eindruck: Trimmen und Ruderreaktion
Bevor
Sie das Flugmodell für den Kunstflug in neun Schritten optimieren,
machen Sie einen Probeflug. So finden Sie schnell heraus, ob die Ruder
wirklich neutral stehen, wenn das Modell gerade aus fliegt. Gehen Sie
dabei folgendermaßen vor: Nach dem Start wird das Modell für den
Geradeausflug grob getrimmt. Im horizontalen Vorbeiflug sollte der
Flieger bei losgelassenen Steuerknüppeln und Halbgas zumindest für ein
paar Sekunden geradeaus fliegen und nicht über eine Fläche wegkippen.
Verstellen Sie die Trimmhebel am Sender solange, bis das Flugzeug nach
einigen Vorbeiflügen den Kurs hält, also geradeaus fliegt.
Jetzt
kommt die Ruderreaktion an die Reihe. Ein Exponentialanteil sollte
zunächst beim Einfliegen keinem Kanal zugemischt sein. Hier ein
Anhaltspunkt, wie schnell ein Kunstflugmodell rollen sollte: Bei vollem
Querruderausschlag sollte das Modell in knapp 1 Sekunden etwa 1 Rollen
fliegen. Das ist ein guter Ausgangswert für die folgenden neun
Schritte. Zum Vergleich: Die manntragende Extra 300L rollt etwa 400
Grad pro Sekunde!
Die optimale Ruderreaktion des Höhenruders
kann man recht einfach mit der stehenden Acht und einem eckigen Looping
ermitteln. Weder Quer- noch Höhenruder dürfen mehr als 35 Grad nach
oben und unten ausschlagen. Reagiert das Modell zu träge auf große
Ruderausschläge, dann sind die Ausschläge zu klein oder die Ruderspalte
zu groß. Ein Abdichten der Ruderspalte mit Scharnierband löst fast
immer das Problem, im Extremfall müssen die Ruderblätter vergrößert
werden. Doch das ist eine aufwendige Angelegenheit, da ein neuer
Flügel, neue Höhenruderblätter oder ein neues Seitenruder fällig werden.
TOC-Modelle: 3-Meter-Flieger und mehr
Soll
ein großes Flugmodell ab 3 Meter Spannweite für den Kunstflug optimiert
werden, dann gelten eigene Gesetze: Diese Boliden bringen zwischen 15
bis 20 kg auf die Waage, unter Motorhaube werkelt ein kräftiger
Boxermotore ab 150 ccm und die Ruderflächen sind überdimensional groß.
Die Servos müssen nicht nur hohe Ruderkräfte sondern auch die harten
Motorvibrationen verkraften. Analog- oder Digitalservos heißt hier die
Frage? Wenn Sie mehr zu diesem Thema erfahren wollen, dann klicken Sie
hier...
Optimieren: Neun Schritte zum perfekten Kunstflugmodell
Klicken
Sie auf "Trimming for Aerobatics" in der
Navigationsleiste. Sie zeigt, wie man ein durchschnittliches
Kunstflugmodell in ein perfektes Aerobatikmodell verwandelt. Als
Grundlage für die Illustrationen habe ich die Empfehlungen aus einem
Newsletter der NSRCA (National Society of Radio Controlled Aerobatics)
verwendet, die Mike Chipchase, Australien, vor vielen Jahren
zusammengestellt hat. Leider ist dieses interessante Textdokument (in
Englisch) nicht mehr im Internet verfügbar.
Doch jetzt geht es
ans Eingemachte: Mit geeigneten Kunstflugfiguren erfliegen Sie die
optimalen Einstellungen für Ihr Aerobatikmodell. Damit Sie die Fluglage
des Modells jederzeit sehen können, sollten Sie sich zwei bis drei
sonnige und nahezu windfreie Tage aussuchen. Fliegen Sie das Modell so
an sich vorbei, dass die Sonne immer auf Ihren Rücken scheint. So
werden Sie niemals geblendet und können das Verhalten des Flugzeugs in
allen Fluglagen genau studieren und beurteilen. Bitten Sie Ihre
Modellflug-Kollegen, nicht zu fliegen und keine Motoren laufen zu
lassen, wenn Ihr Flugzeug in der Luft ist und auf Aerobatic getrimmt
wird.
Copyright Texte und Design: Loys Nachtmann
Alle Rechte vorbehalten
|